Einfache Beschreibung einer Kläranlage wie die ARA Untermarch Lachen SZ

Allgemeines

Sauberes Wasser bedeutet Leben. Umweltschutz hat heute mehr Bedeutung denn je. Menschen brauchen, um zu leben, Trinkwasser. Gleichzeitig produzieren sie auch Abwasser.

Um der Umwelt keinen Schaden zuzufügen braucht es Abwasser Reinigungsanlagen. Sie sorgen dass die Schmutzstoffe aus dem Abwasser entfernt werden. Jedesmal, wenn jemand von uns die Toiletten Spülung betätigt, sich die Hände wäscht oder den Abwasch macht, entstehen Schadstoffe. Würden sie ungefiltert in unsere Gewässer fliessen, wären sie langfristig eine Bedrohung für unsere Umwelt. Deshalb ist es unumgänglich für die Reinhaltung der Gewässer zu sorgen.

Die ARA Untermarch reinigt das Abwasser von 29'930 Einwohner der 5 Gemeinden des Bezirkes March. Damit die Abwasser Reinigungsanlagen einwandfrei und effizient betrieben werden können, muss jeder von uns einige wichtige Grundregeln befolgen. Umweltschutz beginnt in den eigenen vier Wänden und jeder entscheidet selbst wie sehr und in welchem Mass er unsere Umwelt belastet.

Die Toilette ist kein Ersatz für die Kehrichtentsorgung. Hygiene Artikel wie Wattestäbchen, Rasierklingen, Kondome und Hygienebinden dürfen nicht hineingeworfen werden. Hygiene Artikel über das WC zu entsorgen macht absolut keinen Sinn. Neben der hohen Umweltbelastung können die voll gesaugten Hygiene Artikel Rohre oder Pumpen verstopfen.

Gefährlich wird es bei Chemikalien und Medikamenten. Sie sind oft giftig kaum oder gar nicht abbaubar. Auch Katzenstreu aus dem Katzen WC gehört nicht in die WC Schüssel. Diese Gegenstände gehören allesamt in Sammelstellen für Schadstoffe.

Auch das Waschbecken in der Küche wird immer wieder zum Tatort. Denn Speisefett, Salatöl oder Frittier Flüssigkeiten gehören nicht in den Abfluss. Sie müssen gesammelt zur Sammelstelle gebracht werden.

Jede Flüssigkeit die von einem Haushalt abgegeben wird gelangt in die Kanalisation. Das sind Sammelkanäle die das Abwasser zur Kläranlage leiten. Dort wird das ankommende Abwasser wird mindestens in drei Stufen gereinigt. Nach der ersten der mechanischen Reinigung, folgt die biologische und chemische Reinigungsstufe und in moderneren Anlagen die vierte Stufe, die Filtration oder Mikroverunreinigung.

Geschichte und Entstehung des Zweckverbandes

Unser Zweckverband ist der Zusammenschluss von 5 Gemeinden Altendorf, Galgenen, Lachen, Schübelbach und Wangen zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Der Auftrag des Zweckverbandes ist in den Statuten Zweckverband ARA Untermarch geregelt und festgeschrieben.

Spatenstich und Baubeginn der ARA Untermarch ist am Donnerstag, 1. Oktober 1970. Nach beinahe 4 Jahren Bauzeit findet die Inbetriebnahme der Abwasserreinigungsanlage am Freitag, 13. Juli 1973 statt.

Wieviel Abwasser kommt zur ARA Untermarch

Im Einzugsgebiet der ARA Untermarch wohnen 2015: 29'930 Einwohner. Zur ARA Untermarch fliessen im Betriebsjahr 2018: 3'153'656 Kubikmeter Abwasser. Dies ergibt pro Tag und pro Einwohner: 288.7 Liter/Einwohner. In dieser Menge ist Regenwasser, das in die Kanalisation fliesst, inbegriffen.

Für die Kläranlage bedeutet das: Pro Tag werden im Durchschnitt 8'640'154 Liter Abwasser gereinigt. Um diese Menge auf der Strasse zur Kläranlage zu transportieren, müssten jeden Tag: 508 Tanklastwagen mit 17'000 Liter Abwasser beladen werden.

Wie lange ist das Abwasser in der ARA Untermarch

Der Inhalt aller Becken der ARA Untermarch, bieten Platz für Total: 4'095'000 Liter Abwasser. Bei der durchschnittlichen Menge von 8'640'154 Liter Abwasser pro Tag ergibt das eine Aufenthaltszeit von: 11 Stunden 22 Minuten.

Die Kanalisation

Das ist der Transport Weg für das Abwasser. Das heisst alle Wohnungen und Häuser sind an die Kanalisation angeschlossen. Alle Leitungen aus den Wohnquartieren der 5 Verbandsgemeinden bis zur Kläranlage, ergeben zusammen ein Rohr- und Kanal- Leitungsnetz von mehr als 20 km Länge.

Die 5 Mitgliedgemeinden sind Besitzerinnen ihrer Kanalisation. Zusätzlich sind viele Aussenwerke, vor allem Pumpwerke im Besitz der Mitgliedergemeinden. Die Leitungen der Kanalisation, innerhalb der Gemeinden, werden durch das Personal der Gemeindewerke betrieben, gewartet und Instand gehalten.

Das Hauptsammelkanalsystem

Die grossen Hauptsammelkanalleitungen innerhalb der Gemeinden werden durch das Betriebspersonal der ARA betrieben, gewartet und Instand gehalten. Das Abwasser aus dem Verbandsgebiet wird über 2 Hauptsammelkanäle Lachen (West) und Wangen (Ost) der zentralen ARA Untermarch zugeführt.

1. Hauptsammelkanal (West)      Lachen

Der erste Teil Sammelkanal beginnt auf der Höhe der Seestattstrasse in Altendorf und führt nach Lachen bis zur Aastrasse bei der Kapelle. Der zweite Teil Sammelkanal führt vom Ortsteil Siebnen der Gemeinde Galgenen links, der Wägitaleraa entlang der Kantonstrasse. Durch Galgenen hindurch weiter nach Lachen bis zur Aastrasse mit natürlichem Gefälle. Dort treffen sich beide Sammelkanäle und fliessen gemeinsam als 1. Hauptsammelkanal Lachen (West) zum Schneckenpupmwerk der ARA Untermarch.

Das Zulauf Hebewerk

Das Abwasser des ersten Hauptsammelkanal kommt zum Schneckenpumpwerk direkt vor der ARA Untermarch. 3 Schneckenpumpen heben das Abwasser auf das Niveau der ARA Untermarch.

2. Hauptsammelkanal (Ost)      Wangen

Der 1. Teilsammelkanal aus den zwei Ortsteilen Siebnen der Gemeinden Schübelbach und Wangen fliesst bis zur ARA mit natürlichem Gefälle. Der 2. Teilsammelkanal mit dem Rohabwasser von Nuolen dem Ortsteil der Gemeinde Wangen wird an 5 Stellen mit Pumpwerken (PW) angehoben. Diese beiden Teilsammelkanäle fliessen vom Regenüberlaufbecken Allmeind bis zur ARA gemeinsam als 2. Hauptsammelkanal Wangen (Ost).

Aussenbauwerke deren Funktionen und Besitzer

Wenn möglich wird versucht, das Abwasser über die Kanalisation im freien Gefälle zur Abwasser Reinigungsanlage zu leiten. In flachen Gebieten und langen Strecken kann diese Vorgabe nicht immer erreicht werden.

Zur Lösung dieser Tatsachen werden Aussenbauwerke erstellt. Die erste Gruppe der Aussenbauwerke sind die (PW) Pumpwerke. Sie sind nötig, um das gesammelte Abwasser von tiefer liegenden Einzugsgebieten zu dem höher liegenden Hauptsammelkanal anzuheben.

Die zweite Gruppe Aussenbauwerke sind die (RB) Regenüberlaufbecken. In Gebieten, die im Mischkanalisationsystem entwässert werden, kann bei Regenwetter nicht das gesamte Abwasser und Regenwasser der ARA zugeleitet werden. Sie sind nötig bei Regenereignissen, die maximale Schmutzfracht zurückzuhalten, das saubere Regenwasser vorgeklärt in dem Vorfluter zuleiten.

Die dritte Gruppe Aussenbauwerke sind die (RÜ) Regenüberläufe. Der Anteil Mischabwasser der nicht in den Kanälen, Regenüberlaufbecken (RB) zurückgehalten werden kann. Dieser Anteil wird an zweckmässigen Stellen als Regen Überlauf direkt in ein Gewässer eingeleitet.


Total Länge aller Kanalisationsleitungen der ARA Untermarch 29.5 km


Total 52 Aussenbauwerke

  • 28 vom Zweckverband

  • 24 von den Gemeinden


2 Haupsammelkanäle

  • 1 Hauptsammelkanal West: Lachen

  • 1 Hauptsammelkanal Ost: Wangen


4 Sammelkanäle

  • 1 SK «Lachen - Altendorf»

  • 1 SK «Lachen - Galgenen»

  • 1 SK «Wangen - Nuolen»

  • 1 SK «Wangen - Schübelbach»


Aufteilung nach Funktionen der Aussenbauwerke


21 Pumpwerke (PW)

  • 4 PW-... Zweckverband

  • 9 PW-... Gemeinde Altendorf

  • 5 PW-... Gemeinde Lachen

  • 3 PW-... Gemeinde Wangen


3 Speicherkanäle (SK)

  • 3 SK-... Zweckverband


1 Messstation Altendorf (MS)

  • 1 MS-... Gemeinde Altendorf


Aufteilung nach Entlastung Art der Aussenbauwerke


14 Regenüberläufe (RÜ)

  • 13 RÜ-... Zweckverband

  •   1 RÜ-... Gemeinde Altendorf


11 Regenüberlaufbecken (RB)

  • 8 RB-... Zweckverband

  • 2 RB-... Gemeinde Altendorf

  • 1 RB-... Gemeinde Galgenen


2 Regenüberlaufpumpwerke

  • 2 Regenüberlaufpumpwerk-..... Gemeinde Lachen


Die Zulauf Mengen Messung

In jedem Zulaufkanal ist ein Venturi Messkanal eingebaut, der mit der Technik Ultraschalls die Zulaufmenge erfasst und aufzeichnet. Die Zulauf Kanalgrösse und die Förderleistung der Pumpwerke wird in der Regel auf, mindestens den 2-fachen Trockenwetter Anfall bei, Vollausbau ausgelegt.








Rechenanlage

In den meisten Abwasser Reinigungsanlagen ist vor der Rechenanlage ein Grobrechen installiert. Die Grobrechen sind Schutzeinrichtungen für die Rechenanlage. Sie bestehen aus parallel, im Abstand von 10 Zentimeter, nebeneinander angeordneten Rechenstäben. Hier bleiben grosse Feststoffe wie: Holzstücke, Steine und Kunststoff Teile zurück.

Die Rechenanlage ist in der ARA der erste Schritt zur mechanischen Reinigung. Durch Abstufung der Durchlassgrösse oder Spaltbreite werden verschiedene Abscheidungen erreicht. Die Rechen filtern, alle Grobstoffe aus dem Abwasser die grösser sind als ihr Spaltmass. In neueren Anlagen kommen vermehrt Siebrechen mit drehenden Sieb Trommeln zum Einsatz.

Für die nachfolgenden Abwasserreinigung müssen Feststoffe, die bei den weiteren Reinigungsstufen stören, aus dem Abwasser entfernt werden. Mit der Rechenanlage werden grobe Feststoffe, die grundsätzlich gar nicht ins Abwasser gehören, entnommen. Das sind Feststoffe wie: Tampons Hygienebinden, Kondome, Einwegrasierklingen, Getränkedosen, Textilien und Wattestäbchen.

Schwimmkörper und grobe Verunreinigungen bleiben an den Rechen hängen. Die zurückgehaltenen Abfälle werden durch den Rechenkamm abgestreift. Die Räumung des Rechens erfolgt über eine Niveausteuerung durch Messung des Wasserspiegels vor und nach dem Rechen. Beim Erreichen der einstellbaren Niveaudifferenz setzt sich der Rechenkamm in Bewegung und entfernt die Grobstoffe vom Rechen.

In der ARA Untermarch sind 2 Siebrechen mit 3mm x 45mm Spaltweite im Einsatz. Die Lochsiebe sind als drehende Trommeln ausgeführt und haben einem Durchmesser von 1'200mm. Die 2 Siebrechen sind, mit einer Neigung von 35 Grad, im Rechenkanal eingebaut. Wenn sich die Trommel dreht ist das benetzte Sieb innerhalb einer halben Umdrehung gereinigt. Jeder Sieb Rechen kann maximal 150 Liter/Sekunde sieben.

Das entnommene Rechengut kommt in die Rechengut Waschpresse. Mit dieser Waschpresse werden organische Inhaltstoffe aus dem Rechengut ausgewaschen und können wieder in den Anlagenzulauf zurückgeführt werden. Das zurückbleibende Rechengut wird ausgepresst und zur Geruchsvermeidung hygienisch abgesackt in den bereitstehenden 800 Liter Container deponiert. Diese werden zweimal pro Woche mit der Kehrichtabfuhr entsorgt.

Das Abwasser enthält grobe, sperrige, oder zur Zopf Bildung neigende Stoffe. Diese stören den Betrieb der Abwasserreinigung und deshalb müssen sie aus dem Abwasser entfernt werden. Das abgestreifte Rechen Gut wird in der Rechengut Waschpresse gewaschen, anschliessend gepresst und aus hygienischen Gründen der Verbrennung zugeführt.


Das sind die Spaltmasse der Rechenanlagen: ARA Untermarch seit 1974


Rechenanlage im Rechengebäude und Blick in die Rechengut Waschanlage


Rechenanlage Strainpress und Sandwaschanlage

Rechenanlage Strainpress und Sandwaschanlage

am 10.10.2017

Rechengut nach erfolgter Auswaschung und Pressung

Rechengut nach erfolgter
Auswaschung und Pressung

am 01.12.2015


Die Abwasser Reinigungsanlage

Ab hier fliesst das Abwasser im freien Gefälle durch die Anlage. Einzig zu den im Betriebsjahr 2004 - 2006 erstellten zwei grossen Biologie Becken für die Nitrifikation, wird die Belebtschlamm Menge 3 Meter angehoben.

Die Probennahme und die ersten Messsonde

Nachdem das Abwasser die Rechen Anlage durchquert hat wird die Temperatur und der pH-Wert des Abwassers gemessen, ausgewertet und registriert. Die Ermittlung des pH-Wertes ist ein wichtiger Indikator für die biologische Reinigung. Wenn ein Wert ausserhalb der Vorgabe gemessen wird, setzt das Prozess Leitsystem eine Alarm Meldung ab. Das Betriebspersonal ergreift, wenn nötig entsprechende Gegenmassnahmen, damit die Biologie nicht beschädigt wird.

Unmittelbar bei dieser Messsonde ist der erste Probensammler installiert. Dieser ist programmiert: Er entnimmt während 24 Stunden, mindestens 144 Proben Anteile, Zeit- und Mengen- Proportional, aus dem Abwasser.







Die Sand- und Fettfangbecken

Nachdem das Rohabwasser die Siebrechenanlage durchströmt hat bleiben wasserunlösliche, schwerere und aufschwimmende Feststoffe kleiner 4mm im Abwasser. Sie gelangen ins Sandfang- und Fettfangbecken und hier werden die schweren Feststoffe und aufschwimmenden Feststoffe getrennt. Die Entfernung des Sandes aus dem System ist deshalb so wichtig, weil Sand biologisch nicht abbaubar ist. Zudem kann Sand Betriebsstörungen durch Ablagerungen und hohen Verschleiss verursachen. Am Ende des Sandfangbecken befindet sich eine Tauchwand, die verhindert dass aufschwimmende Feststoffe zum nächsten Anlageteil gelangen können. Der Sandfangbeckenteil ist durch eine Tauchwand, und eine spezielle Lammellen Wand zum auf der Seite angeordneten Fettfangbeckenteil, abgetrennt. Die Tauchwand ist aus Beton bis zur Eintauchtiefe von zirka 40cm. Ab hier sind 110 Lammellenstreifen: Breite 10cm, Länge 2m und einem Abstand 5cm angeordnet.

Ebenso wichtig ist die sofortige Beseitigung von Fetten und Ölen. Obwohl Fette und öle 100 prozentig, organische Stoffe sind, können sie aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften, zu Verstopfungen im weiteren Anlagen Verlauf führen. Zudem kann Fett und öl in der Biologischen Reinigung, Prozesse stören, durch Ablagerung an den Bakterienzellen und deren Nährstoffaufnahme behindern.

Für die Trennung des Sandes von den übrigen organischen Feststoffen wird das höhere spezifische Gewicht des Sandes und dessen höhere Absetzgeschwindigkeit ausgenutzt. Zu diesem Zweck wird im Sandfangbeckenteil über Düsen Luft eingeblasen. Durch welche dem Abwasser eine konstante Zirkulationsgeschwindigkeit unabhängig von der Zulaufmenge gegeben wird. Die Geschwindigkeit der Wasserwalze ist so gewählt, dass sich möglichst nur Sandkörner absetzten, die restlichen Feststoffe aber in der Schwebe gehalten werden.

Der Sand setzt sich in der Rinne auf die Beckensohle ab. Wo der Sandfangräumer die abgesetzten Sedimente zum Trichter der Mammutpumpe befördert. Diese fördert das Sand- Wassergemisch in die Sandwaschanlage. Dort werden noch vorhandene organische Rückstände ausgewaschen und werden dem Zulauf zum Vorklärbecken zugeführt. Der gewaschene Sand wird in der Sandtransportmulde gesammelt und von dort zur Entsorgung in eine Innertdeponie transportiert.

Parallel zur Sandfangbeckenteil befindet sich der Fettfangbeckenteil. Der Fettfang hat eine ruhige Wasseroberfläche wo Fette und öle und leichtere Schwebstoffe an die Oberfläche treiben. Man spricht von der sogenannten Flotationstrecke. Mit dem Oberflächenschild des Sandfangräumers wird die gebildete Fettschicht von der Wasseroberfläche entfernt und in den Fettschacht befördert. Von dort wird das Fett- und Ölgemisch der Schlammbehandlung zugeführt.


Sandfanggebläseraum     und     Sandfang und Fettfangbecken leer ohne Abwasser


Das neuinstallierte Sandfanggebläse 1 mit Schallschutzhaube

Das neue Sandfanggebläse 1
mit Schallschutzhaube

am 31.08.2017

SF-Becken 1 Sandtrichter mit Mammutpumpenrohr

SF Becken 1 mit Sand Trichter und Mammutpumpe
links die Lammellentrennwand zum Fettfang

am 25.07.2012








Vorklärbecken (VKB) 2 x 550m3

Vom Sand- und Fettfangbecken fliesst das Abwasser weiter zu den Vorklärbecken. Die Vorklärbecken sind Absetzbecken. In diesen Becken sind die hydraulischen Bedingungen so gewählt, dass leichtere Inhaltstoffe ausreichend Zeit haben sich auf die Beckensohle abzusetzen. Diese absetzbaren Inhaltstoffe bilden dann den Primärschlamm.

Am Ablauf der Vorklärbecken ist das Abwasser mechanisch gereinigt. Das bedeutet, dass alle Schwimmstoffe und Feststoffe aus dem Abwasser entfernt sind. Was jetzt noch zurückbleibt sind gelöste Stoffe und Schwebstoffe. Nun sind etwa 30 Prozent der Schmutzfracht aus dem Abwasser entfernt.

In jedem Vorklärbecken ist ein Seilzug- Schleppräumer

Die automatisierten Räumer schieben den Primärschlamm, regelmässig mit dem beweglichen Bodendchild, zu den 2 Schlammtrichter auf der Zulaufseite der Vorklärbecken. Ebenfalls den Schwimmschlamm, mit dem Oberflächenschild, zur Schwimmschlammrinne. Die Schwimmschlammrinne leitet die Schwimmstoffe direkt in den Frischschlammschacht.

Der Seilzug- Schleppräumerwagen im Vorklärbecken befindet sich, über der Wasseroberfläche an seiner Startposition mit abgesenktem Bodenschlammschild und abgesenktem Schwimmschlammschild. Die Startposition befindet sich am Ende des Vorklärbecken auf der Ablaufseite. Der Räumerwagen besitzt 4 Laufrollen die, wintersicher in den zwei C-Profilen die zirka 70 Zentimeter, über der Wasseroberfläche an den Seitenwänden befestigt sind. Auf den beweglichen Räumerwagen sind keine elektrischen Komponenten notwendig. Die Konstruktion, für das Absenken der Bodenschlammschild und Schwimmschlammschild, ist rein mechanisch gelöst und besteht aus der oberen «Einklinkfunktion» und der unteren «Ausklinkfunktion».

Der Antrieb der Räumerwagen ist mechanisch gelöst. Die auf der Mauerkrone montierte Seilwinde ist auf der Ablaufseite angeordnet. Damit der Räumerwagen in beide Richtungen gezogen werden kann befindet sich auf der Mauerkrone, der Zulaufseite eine Umlenkrolle. Die zwei Seilenden sind in der Mitte des Räumerwagen mit je einer Zugfeder befestigt.

Das rostfreie Stahlseil führt vom Befestigungspunkt auf dem Räumerwagen zur Umlenkrolle. Von dort zurück über die seitlich bewegliche Rolle der Seilhochhaltung, zur Seilwinde. Das Seil ist auf der Seiltrommel, mit etwas mehr als der Beckenlänge aufweist umschlingt. Von dort zurück zum Befestigungspunkt auf dem Räumerwagen. Diese geniale Konstruktion ist wintersicher und sehr Energie effizient.


Vorklärbecken 1 + 2 leer mit Seilzug- Schleppräumer       und       die Schlammtrichter auf der Beckenzulaufseite
Vorklärbecken 2 leer Räumer Bodenschild Blick Richtung Zulauf

Vorklärbecken 1 leer mit Räumer
Bodenschild Blick Richtung Zulauf

am 19.10.2010

Vorklärbecken leer mit den 2 Schlammtrichtern

Inbetriebnahme des neuen Schleppräumer 2012
im leeren VKB 2 während der Rückfahrt

am 15.03.2012


Die mit Aufzugsrampe Einklink Mechanismus       und       Ausklink Mechanismus Seilzug- Schleppräumer
VKB-Räumer Einklink Mechanismus VKB 2

Hier zu sehen die «Auffahrrampen Konstruktion"
mit Feder des schwenkbaren Auffahrrampenteil
Konstruktion im Vorklärbecken 2

am 16.03.2012

VKB-Räumer Ausklink Mechanismus VKB 2

Der schwenkbare Hebelarm der «Einklinkkonstruktion»
Aussparung, Auffahrrolle sowie den grünen Anschlag
für den «Ausklinkvorgang» im Vorklärbecken 2

am 16.03.2012








Die Nitrifikation

Was nun folgt ist die biologische Reinigung. In der biologischen Reinigung wird das natürliche Phänomen der Selbstreinigungkraft der Flüsse auf Industrieller Basis angewendet. Das Besondere in der Biologie ist: Die im Wasser gelösten, organischen Stoffe mit Hilfe von Bakterien und anderen Mikroorganismen in Feststoffe umgewandelt werden. Und im nächsten Becken als Feststoffe durch den physikalischen Vorgang Sedimentation vom Wasser getrennt werden können.

Mikroorganismen sind die kleinsten Lebewesen, die vom blossen Auge nicht erkennbar sind. Nur durch ein Mikroskop wird dies möglich. Überall auf der Erde sind sie anwesend, in der Luft, im Wasser und im Boden bilden sie Gemeinschaften. Sie haben die Eigenschaft organische oder anorganische Stoffe abzubauen oder umzubauen.

Damit vermindern sie die Konzentration solcher Verbindungen und bauen sie vollständig ab. Deshalb sind Mikroorganismen ein Teil der natürlichen Selbstreinigungsprozesses. Die häufigsten Mikroorganismen, die mit dem Abwasser in die Abwasser Reinigungsanlage geleitet werden, sind Bakterien. Hauptsächlich von menschlichen Ausscheidungen gelangen sie in den Reinigungprozess. Es können aber auch losgelöste Vegetationreste von den Kanalisationleitungen sein.

Die Gesamtheit der Bakterien, welche im Belebtschlamm der biologischen Reinigung zu finden sind, arbeitet in Synergien. Die Bakterien assimilieren nicht nur organische Substanzen wie Kohlenstoffverbindungen beispielsweise Zucker und Fette, sondern auch Stickstoff und Phosphor. Sie benötigen diese für die ausgewogene Nährstoffaufnahme und den ausgeglichenen Stoffwechsel. Die Anwesenheit von Stickstoff und Phosphor im Abwasser ist hauptsächlich auf den menschlichen Stoffwechsel und die Verwendung von Reinigungsmittel zurückzuführen. Der Stickstoff kommt im Abwasser vor allem als Ammonium Stickstoff vor. Wenn diese Substanzen nicht fachgerecht entsorgt werden, können diese das gereinigte Abwasser hochgradig belasten.

Grosse Mengen von Phosphorverbindungen und Stickstoffverbindungen können in den Flüssen und Seen eine Wucherung der Unterwasserpflanzen verursachen. Um in diesen Gewässern zu leben entziehen sie ihrer Umgebung und den Unterwasserpflanzen und den Tieren den Sauerstoff. Der verursachte Sauerstoffmangel in den Gewässern kann zum Tod von allen im Wasser befindlichen Lebensformen führen. Der Fäulnisprozess der erstickten Tiere und Pflanzen verbraucht weiteren Sauerstoff bis das gesamte Gewässer abgetötet ist.

Deshalb darf das gereinigte Abwasser beim Verlassen der Abwasser Reinigungsanlage den Gesetzlichen Grenzwert von 10 Milligramm Stickstoff pro Liter nicht übersteigen.

Der Stickstoffabbau

Es ist wichtig in Abwasser Reinigungsanlagen eine angemessene Umgebung für Bakterien zu schaffen damit sie Stickstoffverbindungen, über ihren Stoffwechsel aufnehmen können und sie zu Gasen aufspalten, die frei in die Atmosphäre entweichen können. Der biologische Umbau der Stickstoffverbindungen in Abwasser Reinigungsanlagen erfolgt in zwei Schritten:


Nitrifikation «Einfache Beschreibung»

Grundbedingungen die erfüllt sein müssen:


Die erste Phase der Nitrifikation
Nitrifikation Ablauf Schritt 1

Die zweite Phase der Nitrifikation
Nitrifikation Ablauf Schritt 2

Nitrifikation «Detaillierte Beschreibung»

Als Nitrifikation bezeichnet man die biologische Oxidation von Ammoniak zum Nitrat. Diese erfolgt mit Hilfe von Bakterien welche die organische Kohlenstoffverbindungen als Kohlenstofflieferanten nutzen während sie die Energie für das Wachstum aus dem Prozess Oxidation von Ammonium zu Nitrat nutzen. Diese Bakterien sind aerob. Das heisst der Sauerstoffanteil in der Belebtschlamm Masse muss mehr als 0.5 Milligramm Sauerstoff pro Liter betragen. Sie vermehren sich proportional zur vorhandenen oxidierbaren Stickstoffmenge bei einer Belebtschlamm Temperatur von 20 - 30 Grad Celsius und einem pH-Wert zwischen 7.2 und 8.5. Die Nitrifikation erfolgt in zwei Phasen. Anfangs assimilieren die Bakterien den anorganischen Kohlenstoff indem sie ungelösten Sauerstoff aufnehmen und erzeugen so aus Ammonium Stickstoff das Nitrit. Danach werden die Nitrite von den Bakterien in eine stabile und für die Umwelt unschädliche Verbindung oxidiert die Nitrate. Auch dieser zweite Prozess erfordert Sauerstoff und anorganischen Kohlenstoff. Das Endergebnis sind Nitrat, die aus dem Prozess gewonnene Energie die für den Stoffwechsel, und der Zuwachs der Belebtschlamm Masse. Die so erzeugten Nitrate werden zudem von weiteren denitrifizierenden, Bakterien abgebaut um bestmöglich, verschiedene Formen von Stickstoff Verbindungen zu eliminieren.








Denitrifikation «Einfache Beschreibung»

Grund Bedingungen die erfüllt sein müssen:

In der Denitrifikation wird die in der Nitrifikation entstandene Stickstoffverbindung «Nitrat» mit «autotrophen» und «heterotrophen» Bakterien in «gasförmigen Stickstoff» der in die Atmosphäre entweicht umwandelt.

Denitrifikation «Detaillierte Beschreibung»

Die Denitrifikation ist die biologische Reduzierung von Nitraten zu gasförmigem elementarem Stickstoff. Die Bakterien sind heterotroph. Der Energieträger Kohlenstoff stammt von den organischen Substanzen. Wahlweise können sie ungelösten Sauerstoff Nitrate und Sulfate als Sauerstoff Quelle nutzen. Damit die Aufspaltung zum gasförmigen Stickstoff durchgeführt werden kann müssen die Bakterien ein bestimmtes Enzym erzeugen, das es ihnen ermöglicht, den Sauerstoff für den eigenen Stoffwechsel aus dem Nitrat zu entziehen. Das geschieht allerdings nur bei einem Mangel an gelöstem Sauerstoff. Der mit Nitraten angereicherte Belebtschlamm aus dem Prozess Nitrifikation wird deshalb in anoxe Becken geleitet. Dort erzeugen die Bakterien durch ihren Stoffwechsel die speziellen Enzyme und verbrauchen die organischen Inhaltstoffe als Energieträger. Dadurch wird das Nitrat in gasförmigen Stickstoff umgewandelt, der in die Atmosphäre entweicht. Dieser Prozess verursacht eine Zunahme der Belebtschlamm Masse durch Zellteilung.


Denitrifikation Ablauf







Phosphatfällung

Nur ein geringer Teil, der im Belebtschlamm vorhandenem Phosphor wird als Spurenelement für den Zellaufbau der Bakterien benötigt. Der überschüssige Phosphor wird durch chemische Fällung aus dem Belebtschlamm entfernt. Zu diesem Zwecke werden Metall Salze der Belebtschlamm zudosiert. Die Metalljonen gehen mit den Phosphatjonen eine wasserunlösliche Verbindung ein und fallen aus. Nach einer Aufenthaltszeit von zirka 10 - 24 Stunden im Belebungsbecken fliesst das Belebtschlammgemisch in die Nachklärbecken. Nachklärbecken sind Absetzbecken mit geringer Strömung.

In den Belüftungsbecken wird der im Abwasser vorhandene Phosphor mit Eisen (III) Chlorid Sulfat Lösungen und Poly Aluminium Hydroxid Chlorid Lösung Fällmittel ausgefällt. Die Phosphat-Elimination wird gleichzeitig mit der biologischen Abwasserreinigung durchgeführt.








Nachklärbecken (NKB)

Die Nachklärbecken sind Absetzbecken und wie es der Begriff nachklären aussagt. Am Ende der biologischen Reinigung wird nachgeklärt. Denn jetzt wirkt die chemische Verbindung des Fällmittels mit dem Phosphat, das zusammen wesentlich schwerer ist als Wasser. Jetzt kann das Sedimentationgesetz aus der Physik voll genutzt werden.

Der Name Fällmittel sagt aus: der beschwerte Schlamm setzt sich in den Nachklärbecken gut ab. Der beschwerte Schlamm kann jetzt mit dem Gesetz der Physik sehr gut vom gereinigten Abwasser getrennt und entsorgt werden.

Im Nachklärbecken wird auch die Eigenschaft der Mikroorganismen genutzt, Flocken zu bilden, die etwas schwerer sind als Wasser. Die Schlammflocken setzen sich nach einer gewissen Zeit ab und der klare Überlauf verlässt die biologische Reinigungsstufe.

Das in den Nachklärbecken überstehende Wasser wird als gereinigtes Abwasser zum Zürichsee geleitet. An dieser Stelle sind mehr als 99 Prozent der gesamten Schmutzfracht abgebaut.

Durch diese Wasser werden unsere Gewässer erheblich entlastet, so dass für die Natur keine Gefahr besteht. Allerdings hat das gereinigte Abwasser keine Trinkwasser Qualität, da sich darin immer noch anorganische Substanzen und pathogene Keime befinden.








Rücklaufschlamm (RLS)

Beim Belebtschlammverfahren erfolgt, nach dem Abbau der Schadstoffe in den Belebtschlammbecken, in den Nachklärbecken die Trennung des Belebtschlammes vom gereinigten Abwasser. In den Nachklärbecken wird der abgesetzte Belebtschlamm von Kettenräumern in die Trichter der Nachklärbecken geräumt. Dort dickt die Belebtschlammfracht, durch Sedimentation, auf die doppelte Trockensubstanz ein. Dieser abgesetzte, eingedickte Belebtschlamm bekommt nun die neue Bezeichnung Rücklaufschlamm. Rücklaufschlamm wird wie es die Bezeichnung aussagt, in die Biologiebecken zurückgeführt.

Der eingedickte Belebtschlamm wird von dort kontinuierlich als Rücklaufschlamm in die Biologiebecken der vorgeschalteten Denitrifikation zur Impfung des neuankommenden Abwassers zurückgeleitet. Dort steht er wieder für die Reinigung des zufliessenden zur Verfügung.

Grund dafür ist:

Der Rücklaufschlamm ist reichlich besiedelt mit Organismen (Bakterien). Dies wird genutzt um das neu ankommende Abwasser anzuimpfen, damit die Abbauprozesse schneller zur Verfügung zu stehen.








Überschussschlamm (UeSS)

Die Fracht der Biomasse in einer gut funktionierenden Abwasserreinigung muss konstant gehalten werden. Ein Teil des Rücklaufschlammes wird als Überschussschlamm aus der Biologischen Reinigung entnommen. Diese Menge entspricht genau der täglich in Biomasse umgewandelter Schmutzfracht. Allerdings vermehren sich die Mikroorganismen und Bakterien und es wird aus einem Teil ihrer organischen Substanz neue Biomasse. Durch das Entfernen dieser Überschussschlamm Menge wird das Gleichgewicht zwischen der vorhandener Bakterienmasse und der anfallenden Schmutzfracht reguliert. Es ist ganz einfach es muss aus den Belebtschlammbecken genau so viel Überschussschlamm aus der Anlage abgezogen werden, wie zuwächst.

Ein wichtiger Parameter bei der Abwasserreinigung ist das Schlammalter. Überschussschlamm Menge die entfernt wird zur Konstanthaltung des Schlammalters in der Belebungs Becken.

Schlammalter

Die ÜberschussSchlammfracht ist der Parameter der das Schlammalter bestimmt:

Beispiel: Wenn pro Tag 10 Prozent der Belebtschlammfracht, als ÜberschussSchlammfracht, aus der Biologie entfernen.

Erhalten wir bei der Schlammalter Berechnung ein Schlammalter von genau 10 Tagen.

Wenn keine Vermehrung der Mikroorganismen statt finden würde hätte es nach 10 Tagen keine Biomasse mehr in den Belebtschlammbecken.

Überschussschlamm Eindickung

Der Überschussschlamm wird weiter maschinell eingedickt, dadurch wird das Volumen zusätzlich verringert. Sein Trockenrückstand Gehalt liegt hier bei etwa 6 - 9 Gramm pro Liter. Mit der Eindickensanlage wird dieser Wert auf bis zu 70 - 90 Gramm pro Liter eingedickt. In unserer Anlage ist eine Hochleistungzentrifuge im Einsatz.

Der eingedickte Überschussschlamm wird zum Frischschlammschacht gefördert. Dort mit dem Primärschlamm vermischt direkt in die Schlammbehandlung gepumpt.








Entfernung von Mikro Verunreinigungen (EMV)

Entfernung von Mikro Verunreinigungen mit Ozonung / Aktivkohlebehandlung:
Gemäss aktuellem Stand der Gesetzgebung müssen rund 100 Kläranlagen der Schweiz mittelfristig mit einer zusätzlichen Stufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen (Spurenstoffe) ausgerüstet werden. Diese Elimination kann nach der Nachklärung durch eine Ozonung oder / und durch eine Aktivkohlebehandlung erfolgen. Die Planung und Umsetzung bei den entsprechenden Anlagen im Kanton wird in den nächsten Jahren folgen.

Ausgangslage

Unsere Abwasser Reinigungsanlage wird heute mit drei Reinigungsstufen betrieben. Bei der mechanischen Reinigung durchläuft der Abwasserstrom zunächst die Rechenanlage, der die groben Stoffe herausholt. Als Nächstes folgten das Sandfangbecken und Fettfangbecken. Dabei nutzten wir die Physik, indem wir die Breite und Höhe erheblich zu vergrössern. Es entsteht ein Becken, darin fliesst das Abwasser langsamer und mitgeführte Partikel wie Sandkörner setzen sich am Boden ab, Fette und Öle steigen hingegen zur Oberfläche hoch. Schliesslich kommt das Abwasser in den 5mal grösseren Vorklärbecken noch mehr zur Ruhe. Nun sinken auch feine Schwebstoffe zu Boden. Mit der mechanischen Reinigung lassen sich rund 30 Prozent aller Verunreinigungen entfernen.

Bei der zweiten Reinigungsstufe kommen Mikroorganismen zum Einsatz, die in den sogenannten Belebtbecken organische, im Abwasser gelöste Stoffe verarbeiten. Unter anderem wird hier bei der Nitrifikation Ammoniak zu Nitrat oxidiert. Nach der biologischen Reinigung gilt das Abwasser als zu rund 90 Prozent gereinigt.

Die dritte Stufe kümmert sich nun um chemische Stoffe wie Stickstoff und Phosphor im Abwasser. Sie werden durch die Zugabe von Fällmitteln zum Ausflocken gebracht und lassen sich später als Klärschlamm weiterverarbeiten, der auch als Rohstoffquelle interessant ist.

Die Abwasser Reinigungsanlage Untermarch in Lachen leitet das gereinigte Abwasser in den oberen Zürichsee. Der Auslauf ist jetzt bereits sauberer als das aufnehmende Gewässer selbst. Trotzdem sind wir seit 2019 intensiv an der Planung der vierte Reinigungsstufe. Unser Ziel ist Mikro Verunreinigungen verschiedener Art zu beseitigen.

Nach den drei oben kurz beschriebenen Reinigungsstufen hat es immer noch Spurenstoffe im gereinigten Abwasser. In erster Linie geht es darum Rückstände, von Arzneimitteln und anderen Produkten der Humanmedizin und Veterinärmedizin, zu entfernen. Dies trifft auch bei Haushaltschemikalien und Industriechemikalien wie Reinigungsmittel und Körperpflegemittel zu. Eine weitere Kategorie sind Pestizide und deren Abbauprodukte.

Bei der Stufe Mikroverunreinigung handelt es sich um ein ganzes Bündel von Anwendungen. Insbesondere Anlagerung (Adsorption) an Aktivkohlefilter, Membranfiltration und Entkeimung durch ultraviolettes Licht sowie Ozonierung, stehen derzeit zur Verfügung. Eine Lösung von der Stange gibt es dabei nie. Konkret «Welche Technik» genutzt wird, hängt immer von der lokalen Stoffbelastung und konkreten Gegebenheiten ab. Bei einer durchschnittlichen Jahresmenge des Abwassers in der ARA Untermarch von drei bis vier Millionen Kubikmeter ergibt dies zusätzliche Betriebskosten pro Einwohner von 9 - 10 Franken/Jahr.

Wer soll diese Kosten tragen

Wer finanziert die Investitionen? Die Verbraucher oder die Produzenten, also Pharmahersteller und Pestizidhersteller der relevanten Stoffe.

Mit diesen Verfahren können auch hartnäckige Spurenstoffe erfasst und entsorgt werden. Teilweise wird das schon angewandt.

Welche Massnahmen sind nötig

Um die Ausgaben gering zu halten, muss eine Kehrtwende von der kurzfristigen Reparaturmentalität zur nachhaltigen Vorsorgestrategie nach dem Verursacherprinzip, gemacht werden.

Konkret geht es darum, dafür zu sorgen, dass Schadstoffe erst gar nicht ins Abwasser gelangen. Dann müsste später auch weniger aufwendig eliminiert werden. Die Alterung der Bevölkerung und der steigende «pro Kopfverbrauch an Medikamenten» führt in den kommenden Jahren zu einem Anstieg des Medikamentenverbrauchs. Viel davon wird im Abwasser landen, nicht nur auf dem natürlichen Weg durch Ausscheidungen. Aber auch, weil viele Leute abgelaufene oder nicht mehr benötigte Arzneimittel immer wieder über die Toilette entsorgten.

VSA Plattform Verfahrenstechnik Mikroverunreinigungen

Möchten Sie über das Thema Elimination von Mikro Verunreinigungen in den Abwasser Reinigungsanlagen immer bestens informiert sein?

Dann finden Sie auf der Internetseite Micropoll Plattform des VSA aktuelle Informationen wie Empfehlungen, Faktenblätter, Anlagensteckbriefe, Schlussberichte von Pilotversuchen und Vieles mehr.

Pilotversuch hydraulische Belastung

Mit dem Inkrafttreten der aktualisierten Gewässerschutzverordnung per 1. Januar 2016 hat das AfU Schwyz dem Zweckverband ARA Untermarch die Forderung zur Elimination von Mikroverunreinigungen (MV) erlassen. Weil an der ARA Untermarch mehr als 24'000 Einwohner angeschlossen sind und die ARA in einen See einleitet. Die MV-Stufe wird auf eine Vollstrombehandlung mit einer Wassermenge von 375 l/s ausgelegt. Im Rahmen der Zukunftsstudie 2040 wurde das Netz und die ARA gemeinsam untersucht und ein optimaler maximale Zufluss auf die ARA von 350 l/s definiert. Damit kann die Entlastungsrate ohne eine Erhöhung der Regenbeckenvolumina im Netz auf kleiner 10% reduziert werden. Dazu kommen zukünftig 25 l/s interner Rückläufe aus der Filtration, was schliesslich einem maximalen Zulauf von 375 l/s entspricht. Im heutigen Betrieb wird die ARA mit 280 l/s belastet.

Mit Hilfe von Pilotversuchen soll aufgezeigt werden, dass die ARA bereits heute eine hydraulische Belastung von 375 l/s reinigen kann.

Vorbereitungsarbeiten

  1. Damit die Anlage mit 375 l/s belastet werden kann, werden kleinere bauliche Massnahmen umgesetzt

  2. Sandfangbecken und Fettfangbecken 1 + 2 sind im Betrieb

  3. Zwischen den beiden Sandfangbecken und den Vorklärbecken steht nur ein Verbindungskanal zur Verfügung

  4. Ein zweiter Verbindungskanal wird beim Bau der ARA 1972 vorbereitet

  5. Er wird aber noch nicht fertig gestellt

  6. Dieser zweite Verbindungskanal wird im August 2018 geplant und bis im November 2018 realisiert

  7. Der Zulauf auf die Vorklärung wird angepasst

  8. Vorklärbecken 1 + 2 sind im Betrieb

  9. Für den ersten Pilotversuch wird bei der Nachklärung nichts verändert

Pilotversuch 1

  1. Bei der Durchführung des Pilotversuches 1 wird festgestellt das der Zulauf in die Nachklärbecken sehr unterschiedlich ist

  2. Zusätzlich wird festgestellt dass die Ablaufkapazität der Nachklärbecken nicht gross genug ist

  3. Aufgrund dieser zwei Tatsachen wird Pilotversuch 1 abgebrochen

Pilotversuch 2 + 3

  1. Für für den gleichmässigen Zulauf auf die einzelnen Nachklärbecken werden Leitblechen in der Zulaufrinne eingebaut

  2. Für die grössere Ablaufkapazität der getauchten Ablaufrohren werden die Öffnungen vergrössert

Resultate Pilotversuche

Den ganzen Bericht Pilotversuch hydraulische Belastung im Betriebjahr 2019 ist im PDF einsehbar.

Kleine Teilchen von Medikamenten und Düngemittel schwimmen im Abwasser


Bilder der Visualisierung Mikro Verunreinigungs Anlage

MV Visualisierung Übersicht Westansicht

Mikro Verunreinigung Visualisierung von der
Übersicht mit Betriebsgebäude MV 600 Westansicht

am 23.09.2020 Bild: Wüthrich K&H St. Gallen

MV Visualisierung Übersicht Nordansicht

Mikro Verunreinigung Visualisierung von der
Übersicht mit Betriebsgebäude MV 600 Westansicht

am 23.09.2020 Bild: Wüthrich K&H St. Gallen








Filtration

Optional wird das Abwasser aus dem Nachklärbecken durch einen Sandfilter geleitet. Der Sandfilter entfernt die restlichen suspendierten Stoffe (Feststoffe) auf geringe Restkonzentrationen. Die ARA Untermarch wird noch ohne Filtration betrieben.

Die ARA Höfe ist mit der Filtration ausgebaut. Durch die Filtration wird zusätzlich die Phosphor-Elimination verbessert. Weil der in den Feststoffen gebundene Phosphor im Sandfilter ebenfalls zurückbehalten wird.








Das gereinigte Abwasser (Ablauf)

Das gereinigte Abwasser fliesst, aus den 4 Nachklärbecken der ARA Untermarch, in den oberen Zürichsee. Es enthält eine geringe Restbelastung, da auch in Abwasser Reinigungsanlagen nicht alle Verunreinigungen eliminiert werden können. In allen 4 Nachklärbecken führen 4 getauchten Ablaufrohre zu den Auslaufkasten.

Die Ablaufrohre sind oben mit 32 Lochungen von 30mm Durchmesser versehen, die sich zirka 200mm unter der Wasserlinie befinden. Die Ablaufrohre von den NKB 1 + 2 sind aussen am Becken 1 auf der Ostseite angeordnet. Die Ablaufrohre von den NKB 3 + 4 sind aussen am Becken 4 auf der Westeite angeordnet. Mit dieser Anzahl Löchern wird eine Durchflussmenge von 4 x 75 l/s pro NKB erreicht.

Das gereinigte Abwasser ist soweit aufbereitet, dass die gesetzlichen Anforderungen gemäss Anhang 3.1 der Gewässerschutzverordnung eingehalten wird. Es wird in den Vorfluter Zürichsee eingeleitet.








Primärschlamm (PS)

Klärschlamm aus den Vorklärbecken ist Primärschlamm. Primärschlamm besteht aus ungelösten Abwasser Inhaltsstoffen in der mechanischen Reinigungsstufe. Primärschlamm ist der erste Schlamm der Abwasser Reinigungsanlage. Daher ist auch der Name Vorklärschlamm oder Rohschlamm verbreitet. Im Vorklärbecken wirkt die Schwerkraft oder Sedimentation und der Primärschlamm sinkt auf die Sohle ab.

Primärschlamm sammelt sich im Vorklärbecken auf der Beckensohle. In den Vorklärbecken ist immer eine Räumvorrichtung installiert. Je zwei Trichter pro Becken sich jeweils bei der Zulaufseite der Vorklärbecken angeordnet. Die Räumvorrichtung hat die Aufgabe die am Beckengrund physikalisch abgesetzten Feststoffe (Primärschlamm) in die Trichter zurück zu schieben.

Der Primärschlamm wird periodisch, jeweils aus einem der Trichter in den abgetrennten Frischschlammschacht abgezogen. Er besteht zu einem hohen Anteil aus organischen Stoffen, wie:
Fäkalien, Gemüse, Obst, Textilien, Papier usw. Primärschlamm neigt zur sauren Gärung und Geruchsbildung. Seine Konsistenz ist dickbreiig, mit einem Wasseranteil zwischen 93% und 97%.








Frischschlamm (FS)

Frischschlamm besteht aus Primärschlamm aus der Vorklärung und Sekundärschlamm (Überschussschlamm) aus der biologischen Reinigungsstufe. Der Frischschlamm muss vor der Verwertung aufgrund des hohen Gehalts an organischer Substanz und der damit verbundenen hohen biologischen Aktivität zunächst ausgefault und stabilisiert werden.

Im Frischschlammschacht wird der periodisch abgezogene Primärschlamm mit dem eingedickten Überschussschlamm (Sekundärschlamm) gut vermischt. Die Chargen von zirka 2 Kubikmeter wird stündlich dem Faulraum der Schlammbehandlung zugeführt.







Faulraum (FR)

Faulräume sind Bauwerke aus Beton, Spannbeton oder Stahl, die in Abwasser Reinigungsanlagen eingesetzt werden. Diese Anlagenteile dienen dem Abbau des organischen Trockenrückstandes und der anaeroben Stabilisierung des in der Abwasserreinigung anfallenden Frischschlammes aus der Abwasserreinigung.

FrischSchlammstabilisierung

In hochbelasteten Abwasser Reinigungsanlagen fallen täglich frische Abwasser Schlämme mit hohem Gehalt an organischen Substrat an. Die Verwertung dieser Schlämme setzt eine Schlammstabilisierung voraus. Übliches Verfahren hierzu ist die anaerobe Schlammstabilisierung «Schlammfaulung».

Anaerobe Schlammstabilisierung

Die anaerobe Schlammstabilisierung «Schlammfaulung» findet unter Luftausschluss statt. Dabei werden die organischen Bestandteile des Frischschlammes abgebaut und in Methan, Kohlendioxid und Schwefel Wasserstoff übergeführt.

Die anaerobe Stabilisierung von Frischschlamm wird zur Energieproduktion angewendet und erfolgt in geschlossenen Faulräumen. Unter anaerober Stabilisierung versteht man den Abbau von organischen Verbindungen, die in den Bakterien Zellen des Klärschlammes eingeschlossen sind.

Das entstehende Klärgas kann als Energieträger für Heizungszwecke oder als Antriebsenergie für Gasmotoren oder Blockheizkraftwerke «BHKW» verwendet werden. Die dabei anfallende Wärmeenergie wird für die Beheizung der Faulräume verwendet.

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Faulschlamm (FAS)

Der Klärschlamm enthält grosse Mengen an Pflanzennährstoffen wie Phosphor und Stickstoff. Er kann aber auch Schadstoffe und Krankheitserreger aus Industrie, Gewerbe und Privat Haushalten enthalten. Deshalb ist die Verwendung als Düngemittel in landwirtschaftlichen Betrieben ab Sonntag, 1. Oktober 2006 in allen Kantonen verboten (BAFU, 2003). Seither verbrennen Kehrichtverbrennungsanlagen oder Schlammverbrennungsanlagen (KVA resp. SVA) sowie die Zement Industrie, den gesamten anfallenden Klärschlamm. Eine weitere Möglichkeit bieten Schlammtrocknungsanlagen.

Wegen des grossen Wasseranteils meist grösser 70% muss bei der Verbrennung oder bei der vorgängigen Trocknung zusätzlich eine grosse Energie Mengen aufgewendet werden. Alle anorganischen Reststoffe werden im Zement eingebettet. Es entstehen keine Abfälle, die entsorgt werden müssen.







Nacheindicker (NED)

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Faulschlamm Entwässerung (FSE)

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Trübwasser Zentrat Behandlung (Zentrat)

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Gas Produktion

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Gas Speicher

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Blockheizkraftwerk (BHKW)

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